Leuchtturm e.V. Reichenbach

     

Betreute kommen zu Wort


Beate Stock / Manja Hoti / Tanja Squarra / Marcus Müller / Yvonne Türmer
Beate Stock, 41 Jahre

Ich will gern über meine Geschichte berichten, die mich zum Halt suchenden Menschen gemacht hat.

Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr schien mein Leben einen normalen Verlauf zu nehmen. Doch dann verlor ich meine Mutti durch Krankheit. Zur selben Zeit verstarb auch meine Oma, und wenig später kam mein Opa, den ich, wie die anderen Familienangehörigen auch, sehr geliebt habe, durch einen Verkehrsunfall ums Leben. Ich musste mit ansehen, dass er schwer verletzt an der Unfallstelle lag. Für mich bedeutete das, die kommenden drei Jahre im Kinderheim Oberreichenbach heranwachsen zu müssen. Es war eine sehr schmerzliche Erfahrung, aus meiner behüteten Heimat herausgerissen zu werden. Ich habe frühzeitig geheiratet, verlor jedoch mein ersehntes Kind im 7. Schwangerschaftsmonat.

Diese Serie an Ereignissen machte mich seelisch kaputt. Mich verlies aller Mut, und ich suchte Zuflucht im Alkohol und anderen Suchtmitteln. Ich bekam zwei Kinder, die ich aber freiwillig in eine Pflegefamilie gab, weil ich so tief im Alkoholsumpf stak, dass ich ihnen nicht mehr die nötige Geborgenheit geben konnte. Meine Ehe hielt nicht stand, es kam zur Scheidung.

Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Ich schaffte es aus eigener Kraft, mich von der Alkoholsucht zu befreien und bin seit 13 Jahren „trocken“.

Jetzt lebe ich in zweiter Ehe, und bekam vor neun Jahren meine Tochter Nancy. In einem privaten Landwirtschaftsbetrieb in Hauptmannsgrün habe ich Arbeit gefunden. Körperlich ist es nicht leicht, aber ich tue es gern, weil ich die Familie ernähren kann, aber auch aus Liebe zu Natur und Tierwelt. Im Leuchtturm Reichenbach habe ich einen guten Halt gefunden.

Meine Geschichte lässt mich immer noch nicht zur Ruhe kommen. Aber ich finde hier Menschen, mit denen ich über die Dinge sprechen kann, die mich quälten und zeitweise noch immer belasten. Für meine Tochter ist der Leuchtturm eine kleine Heimat geworden. Sie freut sich jedes Mal, wenn sie dort sein kann. Manchmal geht sie ohne mich hin, weil ich in Schichten arbeite, und sie nachmittags allein ist. Es wird dort alles für sie getan, was ein Kind in dem Alter braucht.

Wir freuen uns sehr, dass es den Leuchtturm gibt und setzen unsere Hoffnung darauf, dass noch viele erkennen, was unsere Stadt an dieser Einrichtung Gutes hat.

Abschließend möchte ich noch einen Wunsch äußern: Mir liegt sehr viel daran, dass die heranwachsenden Jugendlichen rechtzeitig lernen, wie gefährlich es ist, wenn man zu Suchtmitteln greift. Ich wünsche mir sehr, dass Eltern und Verantwortliche unserer Gesellschaft die jungen Leute davor bewahren, diesen verheerenden Weg zu gehen.

Manja Hoti, 30 Jahre, 4 Kinder

Der Leuchtturm ist unser zweites Zuhause geworden.

Wir bekommen mehrmals in der Woche warmes Essen. Auch Spielsachen bekomme ich für die Kinder und Anziehsachen aus der Kleiderkammer des Vereins.
Das alles ist mir eine große Hilfe, mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, auszukommen.

Meine Kinder haben viele Möglichkeiten, sich mit Spiel und Sport zu beschäftigen.

Die Mitarbeiter versuchen, mir in verschiedenen schwierigen Situationen zu helfen, u. a. beim Ausfüllen von Formularen oder mir beizustehen bei Behördengängen.

Wir sind jedes Mal begeistert und „voll glücklich“, wenn wir zum Leuchtturm gehen. Ohne ihn wären wir ganz schön aufgeschmissen.

Wir wünschen uns ganz sehr, dass der Leuchtturm uns erhalten bleibt und danken allen, die Gutes für uns tun.

Tanja Squarra, 21 Jahre

Über meinen Bruder lernte ich den Leuchtturm kennen. Die Mitarbeiter dort boten mir Hilfe für die verschiedensten Dinge des Alltags an. Schon bei meinen ersten Besuchen hatte ich den Eindruck, dass ich trotz größter Probleme willkommen bin. In Gesprächen mit der Vereinschefin Annemarie Schramm merkte ich schnell, dass ich mit meinen Sorgen an der richtigen Stelle war.

Inzwischen sind vier Jahre vergangen. Frau Schramm ist seit einem Jahr meine persönliche Betreuerin. Sie hilft mir bei allen Formalitäten, die ich im Arbeitsamt, Sozialamt, bei der Krankenkasse und vielen anderen Behörden zu erledigen habe. Aufgrund meiner Lese- und Rechtschreibeschwäche kann ich solche Dinge nicht allein bewältigen. Im letzten Sommer nahm ich am Muttiprojekt teil, das der Leuchtturm angeboten hat. Mir wurde geholfen, meiner Rolle als junge Mutti gerecht zu werden.

Gemeinsam mit meinem Lebensgefährten Marcel gehe ich zu den Donnerstagsandachten in den Leuchtturm. In einer Gruppe von weiteren Leuchtturmgästen besuchen wir seit kurzem die Gottesdienste in der Immanuelkirche. Es macht Freude, die Botschaft über den Glauben an Jesus zu hören. Unser Ziel ist, noch mehr über den christlichen Glauben zu erfahren. Wenn im Sommer diesen Jahres unser zweites Kind zur Welt kommt, wollen wir als Familie unseren weiteren Lebensweg in Gottes Hand legen und uns taufen lassen.

Marcus Müller, 27 Jahre

2004 kam ich durch eine Jugend - ABM zum ersten Mal in den Leuchtturm. Was dort an Liebe und Verständnis uns jungen Leuten entgegengebracht wurde, hat mich fasziniert und in meinem christlichen Glauben bestärkt.

In meinem bisherigen Leben musste ich viele Niederlagen verkraften, die mich bis heute nicht zur inneren Ruhe kommen lassen. Meine Eltern ließen sich scheiden, und Mutter heiratete ein zweites Mal. So kam ich in eine neue Familie, wurde aber nicht adoptiert. Zu dieser Zeit lebte ich in Klingenthal und Schöneck. 1999 absolvierte ich meine Berufsausbildung zum Straßenbaufacharbeiter. Alles lief super. Doch dann verlor ich meine Mutti durch Suizid. Diesen Schock habe ich bis zum heutigen Tag nicht überwunden. Ich suchte nach ihrem Tod Trost in Drogen und Alkohol, schloss aber trotzdem meine Lehre ab. Nach meiner Ausbildung wurde ich arbeitslos. Zu Hause war alles so schrecklich traurig und kalt. Es gab zwischen meinem Stiefvater und mir Spannungen, die nicht mehr auszuhalten waren. Ich musste dort weg und suchte zunächst Freunde und Bekannte auf, bei denen ich unterkommen konnte. Diese nutzten meine Lage aus, und bald stand ich ohne Geld da. Somit waren auch meine „Freunde“ weg.

Mir blieb nichts anderes übrig, als das Leben auf der Straße kennen zu lernen. Von den Niederlagen geprägt, zog ich mich zurück und suchte mir im Wald eine Wanderhütte, um wenigstens einen Schlafplatz zu haben. Eine Freundin versorgte mich gelegentlich mit Lebensmitteln. Ich war ganz tief unten.

In dieser Situation erinnerte ich mich an meine Tante, die mir am Grab der Mutter das Angebot machte, in der Not zu ihr kommen zu dürfen. Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, holte mein restliches Geld von der Bank und fuhr nach Reichenbach zur Tante. Meine ebenfalls in Reichenbach wohnenden Großeltern nahmen mich dann auf, bis ich eine eigene Wohnung im Neubaugebiet West fand. Doch auch dort gab es nicht nur Schönes zu erleben. Zwei Beziehungen zerbrachen, und ich suchte ein weiteres Mal Zuflucht in Suchtmitteln. Von finanzieller Not getrieben, gründete ich eine Wohngemeinschaft mit einem Freund. Doch als dieser wieder Arbeit fand, veränderte er sein Verhalten, erniedrigte mich und nutzte mich aus. In Absprache mit meiner Betreuerin zog ich dort wieder aus, nahm mir eine eigene Wohnung. Beim Umzug erhielt ich gute Beratung und große Unterstützung vom Leuchtturm.

Die Donnerstags- und morgendlichen Andachten bestärken mich im Glauben an Jesus Christus, und ich kann die gute Botschaft weitergeben. Ich bekomme Anziehsachen aus der Kleiderkammer des Leuchtturms sowie Backwaren, die von verschiedenen Bäckern gespendet werden. Ohne diese stillen Helfer im Hintergrund wäre der Dienst an Hilfesuchenden nicht möglich. Dafür bin ich allen Geschäftsleuten, die den Leuchtturm mit Naturalien so liebevoll unterstützen, sehr dankbar. Ich danke auch allen Mitarbeitern, die für all unsere Sorgen und Nöte immer ein offenes Ohr haben. Durch einen guten Freund, der auch Hilfe im Leuchtturm fand, wurde ich auf die Evangelisch - methodistische Kirche in Reichenbach aufmerksam. Außer bei meiner Taufe bin ich nie in eine Kirche gekommen. Deshalb war ich bei meinem ersten Besuch schon ein wenig aufgeregt. Inzwischen bin ich froh, dass ich diesen Weg gehen darf und, auch wenn es mal nicht so gut läuft, in meinem Leben auf Gottes Hilfe vertrauen kann.

Der Leuchtturm ist für mich eine zweite Heimat geworden. Dafür bin ich dankbar, auch, weil ich ehrenamtlich beim Dienst am Menschen mithelfen darf. Ich freue mich, dass es so eine Einrichtung in Reichenbach gibt und bete dafür, dass der Leuchtturm noch lange besteht und durch ihn noch viele Menschen Hilfe erfahren. Mein Opa liegt zur Zeit im Krankenhaus. Deshalb verbringe ich so viel Zeit wie möglich bei meiner Oma, die wegen körperlicher und geistiger Schwäche nicht mehr alleingelassen werden kann.

Yvonne Türmer, 33 Jahre

Meine Kindheit war beschwerlich. Wegen erheblicher körperlicher Einschränkungen konnte ich bis zum 10. Lebensjahr nicht eingeschult werden. Ich erhielt bis dahin Privatunterweisung bei einem Kinderarzt. Ab der 4. Klasse besuchte ich dann eine Sonderschule in Reichenbach. Nach der Schulzeit bekam ich eine Arbeitsstelle in der Werkstatt für behinderte Menschen. Meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind aufgrund der Körperbehinderung sehr gering. Ich muss mir die Arbeitsstelle in der geschützten Werkstatt erhalten.

Ich lebe allein in einer kleinen Wohnung in Reichenbach, bin oft sehr einsam. Über eine Bekannte fand ich zum Leuchtturm. Ich war überrascht, dass man dort in jeder Notsituation Hilfe findet, z. B. bei Erledigungen in Ämtern, Ausgabe von Lebensmitteln und Anziehsachen, Fahrdienst, Freizeitbeschäftigung u.v.m. Die christlichen Andachten donnerstags finde ich sehr wertvoll, weil ich dort den Glauben an Gott stärken kann. Die Mitarbeiter des Leuchtturms sind Christen und Angehörige verschiedener Kirchen. Ich fand einen Freundeskreis, über den ich Zugang zur Ev.- meth. Kirche in Reichenbach und Mylau bekam. Es ist schön, dass ich im Leuchtturm eine kleine Heimat gefunden habe. Ich hoffe sehr, dass die Probleme, die durch das Ausbleiben von bestimmten Förderungen bestehen, eine gute Lösung finden, so dass der Leuchtturm für uns alle erhalten bleibt.

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